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Sonntag, 13. Mai 2018

Von der Reha zurück zuhause. Ich fahre zwar Rad, muss aber vernünftig und verantwortungsbewusst sein. Juni Touren müssen geändert werden.

Von der Reha zurück zuhause. Ich fahre zwar Rad, muss aber vernünftig und verantwortungsbewusst sein. Juni Touren müssen geändert werden.

Donnerstag, Christi Himmelfahrt, habe ich nach dem Frühstück die Ruland Klinik Falkenburg verlassen, mit der S1 um 10:05 bin vom Bahnhof Bad Herrenalb abgefahren.
Um 11 Uhr bin ich zuhause angekommen. Nach so langer Zeit muss ich mich erst mal an meine Wohnung gewöhnen. Die Küche dunkel, als wenn es abend wäre oder die Sonne noch nicht aufgegangen. Vor 3 Wochen, als ich in die Reha abreiste, war es noch kalt, die Glyzinie noch kahl und nackt. In diesen 3 Wochen ist die Natur explodiert, die wunderschönen lila Blütenstände alle verblüht, dafür waren der komplette Balkon, das Fenster der Balkontür, der Rolladenkasten komplett von den Tentakeln überwuchert, ebenso jede freie Fläche zwischen den Stützen. Nur noch ein schwaches grünliches Leuchten konnte sich den Weg in die Wohnung bahnen. Mit der Machete bahnte ich mir einen Weg zur Wäscheleine, befreite sie erst mal von den sie überwuchernden Tentakeln, damit ich die Wäsche, meine erste Amtshandlung, über den Hof zum trocknen ziehen konnte. 
Als Belohnung lachte mir aus der Dämmerung das Birdy in der Küche entgegen, die Testfahrt musste noch etwas warten, auch wenn ich es wissen wollte. Aber nach der Wäsche musste erst mal der Urwald weg.
Dann am Nachmittag endlich, Hunger regte sich, ich hatte gehört, es ist Brigandenfest auf dem Friedrichsplatz, da wird die erste Tour hingehen.
Das Birdy muss ein Stockwerk runter auf die Straße. Mal sehen, ob das überhaupt geht, der operierte oberste Muskel arbeitet noch nicht so ganz einwandfrei. Jetzt beim runter und rauftragen wird er voll gefordert. Ich habe den Eindruck diese Übung beschleunigt die Aktivierung. Das Rad steht auf der Straße. Wie stelle ich es am geschicktesten an, anzufahren, ohne dass der Muskel bei der Belastung eventuell auf Schonmodus geht. Ich weiss, ein echtes Fahrrad zu fahren, ist was anderes als auf einem Ergometer die Kilometer runter zu spulen. Dort schaltete ich den Widerstand beim Anfahren auf den Anfangswert von 25 Watt, und fuhr ihn nach den ersten Umdrehungen auf 60 Watt und mehr hoch. Ein echtes Fahrrad, auch wenn ich im 1. Gang starte, verlangt gleiche ein Treten, der mindestens 50 Watt entspricht. Aber zu was habe ich eifrig Muskelkoordination gelernt, um möglichst schmerzfrei Bewegungen umzusetzen. Am Anfang noch etwas unsicher, aber ich rollte mit dem Fahrrad. Jetzt das Anhalten testen, ohne das operierte Bein zu stark zu belasten. Ich hatte bald raus, wie man ganz sanft bremst, so dass das Bein nur noch am Schluss zum Abstützen gebraucht wird. Ich radle jetzt noch vorausschauender als früher, gehe permanent davon aus, dass mir die anderen Verkehrsteilnehmer in die Quere kommen, um ja eine ruckartige Bremsung zu vermeiden und alles unter Kontrolle zu haben.

Mir wurde bald klar, wieso Radfahren 6 Wochen nach der OP nicht unbedingt empfohlen wird. Im Normalfall merkt man gar nicht, was man alles macht, wenn man radelt. Man radelt einfach. Und wenn man Pech hat, haut es einen um. Und genau das darf jetzt auf keinen Fall mehr passieren. 
Das Radeln wird sehr schnell flüssiger, ich reagiere sehr schnell, ohne zu überreagieren, dass hat sich in mir eingebrannt. Und aus dieser Erfahrung der letzten 4 Tage finde ich es förderlicher, so bald wie möglich mit echtem Radeln zu beginnen, die nötige Koordination ist eine viel weitergehende, als die Übungen in der Reha. Sie sind die Grundlage, dass man das Gespür bekommt für etwas, was man normalerweise automatisch macht und nicht registriert, was da alles abläuft.
Aber dieses frühe Radeln ist nur dann sicher, wenn man sich an die Mahnung der Ärztin hält, immer bewusst mit eingeschaltetem Verstand zu radeln, und jedes leichtsinnige Manöver zu unterlassen.
Diese 4 Tage bin ich jetzt problemlos 120 km geradelt, bei Sonnenschein, bei Regen, in der Nacht. Immer vorsichtig und moderat. Fussgängerbrücken komme ich hoch.

Zuhause habe ich keine Geräte wie im MTT, wie sollte ich da meinen Muskelaufbau fördern, wenn ich nicht radfahren kann. Mit laufen wäre das sehr mühsam, ich bin nicht der geborene Wanderer. Nicht umsonst steht mein Birdy in der Küche, ich müsste ja sonst zum Klo laufen :-)
Und in der Tat merke ich, dass die Fortschritte meiner Reha jetzt nochmal einen Schub bekommen, seit ich echt radfahre.
Den Rest wird man mit Lymphdrainage und Krankengymnastik noch hinbekommen.
Laut Arzt wird alles ohne bleibende Schäden verheilen.
Was allerdings mit der im Oberschenkel verbauten Technik passiert, wird sich klären, wenn ich das Krankenhausgespräch habe. Ich nehme an, die bleibt drin, sonst müsste man ja nochmal was aufschneiden.
Auf jeden Fall waren die Unfallfolgen medizinisch anspruchsvoller, als ich es mir selber anfangs vormachte. Ein Riss klang für mich relativ harmlos, ist aber medizinisch doch auch ein Bruch, sonst würde man ja nicht operieren und Reha-Maßnahmen durchführen.

Was heißt das jetzt für meine Touren?
Medizinisch: Der Knochen braucht 6 Woche zur Heilung. Das ist jetzt. Radfahren sollte man erst nach weiteren 6 Wochen. Das ist Ende Juni.
Das betrifft somit die Touren 03.06.2018 Loreley und 17.06.2018 Canal-de-la-Bruche.
Und die Feierabendtour Anfang Juni.
Ich fahre jetzt jeden Tag Fahrrad, kann erst dann in den nächsten Wochen nach und nach beurteilen, wie es mit der Kondition und Koordination bis dahin aussieht.

Dass ich überhaupt Fahrrad fahren kann, liegt daran, wie ich im letzten Post beschrieben habe, dass ich für meine Fernfahrten per ICE das Birdy habe. Das Birdy ist kein Klapprad, sondern ein Faltrad. Der Rahmen ist sehr flach und liegt unter mir, die Räder werden unter dem Rahmen eingeklappt. Da kein Klappgelenk vorhanden ist, ist das Rad verwindungssteif und für große Touren geeignet. Die Räder werden im Fahrzustand durch Elastomer-Puffer gefedert. Es ist dadurch für den Radler sehr entlastend und durch die Übersetzung kommt man dennoch schnell vorwärts.
Nachdem mir die Ärztin beim abschließenden Arztgespräch gesagt hatte, dass ich erst nach einem viertel Jahr, also Ende Juni Fahrrad fahren sollte, erzählte ich ihr von meinem Birdy. Da kam mir zupass, dass sie schon lange auf der Suche nach einem solchen Rad für ihre Touren ist. Ich konnte sie beraten, sagen, auf was zu achten ist, dass sie verschiedene Probefahren soll .... . Sie war begeistert. Sie gab mir zwar keinen Persilschein, aber konnte mir das Radeln in meiner eigenen Verantwortung zugestehen, wenn ich meinen gesunden Menschenverstand walten lasse, und jedes Risiko vermeide. Und das mache ich sowieso, denn einen Sturz möchte ich nie wieder erleben. Schon dieser Unfall war einer zuviel :-)

Da die risikolose und rückstandsfreie Heilung für mich oberste Priorität hat, kann ich diese beiden Touren nicht in dieser ausgeschriebenen Form anbieten.

Ich habe folgende Planung anstelle der Tour 03.06.2018 Loreley im Kopf, die ich eventuell ohne Überlastung durchführen kann und die die Highlights von Mainz enthält und vom Mittelrhein den Teil bis Bingen zeigt. Hier muss ich in der nächsten Zeit hinfahren, um das auszuprobieren. Allerdings ist der Termin 03.06.2018 noch relativ früh.
Die Tour zum Kaiserdom in Mainz ist ausgefallen. Eventuell kann ich eine Tour entwerfen, wo man wie bei der Loreleytour mit dem Süwex bis nach Mainz fährt. Dort geht es dann zum Kaiserdom Mainz, St. Stephan mit den Fenstern von Marc Chagall und dann bis Bingen mit dem Mäuseturm.
Von Bingen dann wieder mit dem Zug zurück nach Karlsruhe.

Statt 17.06.2018 Canal-de-la-Bruche mit 110 km muss ich mir was anderes einfallen lassen. Denn 110 km zu diesem Zeitpunkt entsprechen nicht einem verantwortungsbewusstem Heilungs- bzw. Trainingsprozess.

Für die Feierabendtour werde ich eine Strecke finden, die kann ich wohl durchführen.


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