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Samstag, 24. Juni 2017

Dagebüll : Die Bahn. Nicht nur klimafreundlich. Nichts ist unmöglich

Dagebüll : Die Bahn. Nicht nur klimafreundlich. Nichts ist unmöglich :-)

Mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen ..., negative Vorurteile sind für viele ein Grund, lieber mit dem Auto zu fahren anstatt mit der Bahn.
Ich bin öfter mit der Bahn und meinem Fahrrad unterwegs. Ich schätze die Sicherheit auf der Schiene, das stressfreie Reise, Begegnungen unterwegs und das ich mich um wenig kümmern muss. Und man ist sehr schnell, wenn man ICE's dabei hat. Von Karlsruhe an die Nordsee in Ostfriesland ist man in 7 - 8 Stunden. 
Dass ich damit auch noch das Klima schone, nehme ich billigend in Kauf :-)

Im Juni 2017 war ich für eine Woche auf Vortour für Nordfriesland. Das Birdy ist mein Fahrrad, damit kann ich jeden Zug, auch ICE, nutzen und brauche das Fahrrad nicht anmelden. Es fährt zusammengefaltet kostenlos mit.

Am 24.06.2017 ist meine Vortour zuende, ich habe den Kurswagen zum IC von Westerland nach Karlsruhe gebucht, Abfahrt nach 9 Uhr in Dagebüll, Ankunft in Karlsruhe um 21 Uhr. Man kann direkt ohne Umsteigen fahren. Mit Anmeldung kann man hier auch normale Fahrräder mitnehmen. Aber ich war froh, mein Birdy mitgenommen zu haben.
In Dagebüll an der Mole ist der Bahnsteig. Von der Fähre kann man so direkt in die Bahn.
Am Bahnsteig steht eine Bahn der Baureihe 628. An diesen sind 2 IC-Waggons gehängt, einer davon mit großem Fahrradabteil. Dann noch ein Güterwagen.
Soweit, so normal.

Am 24.06.2017 war alles anders.
Den Tag vorher tobten Stürme durch Norddeutschland. Hier bei meinem Ausflug auf Föhr hat man allerdings nicht soviel davon mitbekommen. Ich war deshalb verwundert, dass am Bahnsteig nur dieser Schienenbus stand, ohne IC-Waggons. Mit Rollkoffern kamen Fahrgäste von der Fähre aus Wyk auf Föhr, der Bahnsteig war voll. Mehr kommt nicht, der IC ist am Vortag nicht in Westerland angekommen. Also gibt es keinen, der in den Süden fahren könnte. Ausserdem ist die Zufahrt nach Hamburg gesperrt, in Altona ist Schluss. Vorbereitungen für den G20-Gipfel. 
Wenn ich mein Faltrad zusammenfalte, kann ich es zu ihr in den Führerstand stellen, meinte die Lok-Führerin, dann ist mal das aus dem Weg. Und so machte ich es. Der Zugbegleiter bereitete uns mental darauf vor, was uns ab Niebüll erwartet. Den IC gibt es nicht, mit den Regionalbahnen sollen wir schauen, dass wir nach Altona kommen. Dabei müssen wir unter Umständen umsteigen. Die Bahnen sind überfüllt. 

Mit Humor entkrampft sich einiges erkannten die Bahnmitarbeiter bei der Durchsage im Bahnhof Elmshorn, und lockerten damit auch die Stimmung auf,  um in überfüllten Bahnhöfen den Einsteigevorgang zu beschleunigen: "Damit es schneller beim Einsteigen geht, eine wichtige Durchsage: Ein Zug ist wie ein SCHNITTLAUCH, er ist innen hohl, sie können also an allen Türen einsteigen".

Altona ist momentan Endstation für Bahnen und auch Autos. In Hamburg wird der Ernstfall geprobt. Und der ist ja eine Woche später auch eingetreten.

Um 15 Uhr war ich immer noch in Altona. Ob ich an diesem Tag jemals in Karlsruhe ankommen würde, bezweifelte ich inzwischen. Dabei sollte ich am nächsten Morgen bei der Einweihung des neuen Natur-Radwegs für den ADFC mit dabei sein.
Da zeigte der DB-Navigator an, dass um 16 Uhr ein ICE nach Stuttgart auf den Weg geschickt wird und eine halbe Stunde später ein ICE nach Karlsruhe. Im Bahnhof wurden die Züge noch nicht angezeigt. Ich vergewisserte mich deshalb am Schalter. Er schaute skeptisch auf mein Fahrrad, das geht aber nicht, meinte er. Ich zeigte ihm, dass ich es zusammenfalten kann. OK. Der DB-Navigator ist aktueller und flexibler. 
Ich sitze im ICE, mein Fahrrad steht zusammengefaltet in der Nische beim Bistrowagen. Entspannt bestelle ich mir was zum Essen, während der Zug im Hauptbahnhof Hamburg einfährt. Hier kommt dann die Durchsage, dass die Strecke noch nicht komplett festgelegt ist, dass hängt davon ab, welche Gleise geräumt sind, es wird aber auf jeden Fall versucht, Frankfurt und Karlsruhe zu erreichen. Wenn Bahnhöfe vorher nicht erreicht werden können, soll man fragen oder im DB-Navigator nach Alternativen suchen. Wo wir überall entlang fuhren, weiß ich nicht, es war auf jeden Fall nicht der bekannte Fahrweg. Interessant war es auf jeden Fall, weil die Kommunikation zwischen Lokführer und Zugbegleitern mit den Zwischeninformationen offen war. Auf dem Display sah man, dass der ICE 220 km/h fuhr. Irgendwann waren es nur noch 180 km/h. "Was ist los? Da muss doch noch mehr drin sein" fragte der Zugbegleiter den Lokführer. Der erklärte den Grund und versprach, sofort wieder aufzudrehen, wenn er die Freigabe dafür hat.
Es war abenteuerlich und interessant, zu beobachten, wie wir schnell immer näher unserem Ziel kamen. Und amüsant.

Karlsruhe: Es war 8 Minuten vor meiner regulären Zeit mit dem IC, als dieser ICE, der alles an Zeitverlusten auf der Strecke offensichtlich rausholte, in Karlsruhe ankam. Als ich mein Birdy auseinanderfaltete und die Packtaschen anhängte, traute ich meinen Augen nicht. Am anderen Bahnsteig rollte unschuldig mein IC mit der Zielbezeichnung Westerland - Karlsruhe fahrplanmäßig ein.  Die Zugbegleiterinnen, die jetzt Feierabend hatten und den Zug verließen, musste ich dann doch fragen "Sie kommen doch nicht wirklich mit diesem IC heute von Sylt, auch wenn das der Zug vorgaukelt ???" Und so war es dann auch, sie sind erst in der Gegend von Hannover losgefahren. Von da, wo der Zug am Vortag liegen geblieben ist.

Ich hatte für diese Fahrt von Niebüll nach Karlsruhe eine Fahrkarte zum Sparpreis von 19 EUR mit Bahncard 25. Diese Fahrkarte hat natürlich Zugbindung. Aber da es diese Verbindung nicht mehr gab, war die Zugbindung aufgehoben und ich alle Möglichkeiten des Flexpreises. Es war eine Meisterleistung des Zugmanagements. Und so nur mit der Bahn realisierbar.

Das war die Tour, die dieses überraschende Ende hatte:
http://corneliusberkmann.blogspot.com/p/details-zur-planung-der-tour.html