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Dienstag, 20. August 2019

Ausflug nach Norddeich Mole (Ostfriesland) Anfang August 2019

Ausflug nach Norddeich Mole (Ostfriesland) Anfang August 2019

Ich brauche mal wieder Abstand vom Alltag. Vor vielen Jahren habe ich die Nordsee wiederentdeckt und festgestellt, dass das Wetter gar nicht so schlecht ist, wie ich es als Kind bei einem Erholungsaufenthalt in Erinnerung hatte. Aber da hatte ich auch kein Fahrrad dabei.
Inzwischen habe ich mich schon lange an die Nordseeküste verliebt, in den letzten Jahren habe ich Touren an der ganzen deutschen Nordseeküste von Emden in Ostfriesland mit zwei der Inseln,Norderney und Baltrum, das wir mit einer Wattwanderung erwanderten, über Friesland, Cuxland mit Wilhelmshaven, Bremerhaven, Cuxhaven bis nach Nordfriesland von Hamburg über Glückstadt, Husum, Büsum, Dagebüll mit den Inseln Föhr und Sylt geleitet.

Der Klimawandel, die Zukunft unseres Klimas ist natürlich auch hier ein Thema.
In Norddeich Mole kommt der Zug an. Östlich davon ist der Fähranleger für die Fähren nach Norderney, westlich davon fährt die Fähre nach Juist. Dort fallen einem die Kofferwagen, die wie Würfel auf Rädern aussehen, auf, die aneinadergehängt sind und wo das Gepäck der Reisenden gesammelt wird. 
Als ich diesmal ankam, stand am Bahnsteig vor dem Fährterminal gleich ein spezielles Lastenrad mit diesem typischen Kofferaufbau, mit denen die Reisenden ihr Gepäck zur Unterkunft transportieren können.


Gewissermaßen der große Bruder von riese & müller neben meinem kleineren birdy, wohin mein Gepäck in 2 Packtaschen passt.  Dafür brauche ich natürlich keinen e-Antrieb.

Aber dass man gleich mit e-mobilität empfangen wird und auch mit der Anregung, in Zukunft ohne Auto anzureisen, gibt einem das Gefühl von Vertrautheit, was das stark gewandelte Klimabewusstsein betrifft. Schließlich laufen hier in Karlsruhe im Quartier Zukunft Projekte, wie ein klimaschonendes Leben umgesetzt werden kann.

Und am Strand von Norddeich und später auch auf Norderney kann man beobachten, dass mit neuen Maßnahmen zum Küstenschutz die Küste ertüchtigt wird, den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Der Wasserspiegel steigt und Sturmfluten werden heftiger und wahrscheinlich auch häufiger. 

Die langen Autoschlangen am Fähranleger und die vielen Autos in den Garagen und Parkflächen der FRISIA zeigen, wieviel Potential noch in klimafreundlicher Mobilität möglich ist. Mit der Bahn kommt man aus Süddeutschland entspannt in den Norden. Und wenn man nach Sparpreisen schaut, habe ich es diesmal für 14 EUR mit Bahncard 25 pro Strecke von Karlsruhe nach Norddeich Mole geschafft.

Die Energiebilanz

Man kann an die Nordsee mit dem Zug fahren, von Karlsruhe aus steigt man normalerweise einmal um. An manchen Tagen gibt es sogar eine Direktverbindung mit dem IC.
Die meisten nehmen für diese Reise das Auto.
Stressfreier und sicherer ist der Zug. Die Energiebilanz spricht natürlich für die Bahn.

Die Energiebilanz, die man sich bei der Buchung über bahn.de anzeigen lassen kann, zeigt,
dass man mit 0,11 kg CO2 mit der Bahn gegenüber 96 kg CO2 beim Auto bedenkenlos an die Küste reisen kann.
Im Ressourcenverbrauch wird mit der Bahn nicht mal ein hundertstel verbraucht. Dabei lässt sich die Bilanz bei der Bahn noch variieren, je nachdem, wieviel regenerativer Strom gerade im Norden mit den unzähligen Windrädern eingespeist wird.
Feinstaub fällt bei der Bahn nicht mal ein zehntel gegenüber dem Auto an, wenn man die ganze Produktionskette mit einbezieht. Direkt am Zug fällt so gut wie kein Feinstaub an.
Mit E-Loks fallen am Zug keine Stickoxide an, mit dem Auto sind sie erheblich.

Hier der Rechner der Deutschen Bahn:




Am Molenkopf, die Ebbe hat begonnen, die Lufttemperatur ist am Nachmittag des 1. August 27 Grad, für die Nordsee schon sehr warm. 
Gerade läuft ein Katamaran der Offshore-Wartung ein.
Als ich dann später die Küste direkt am Meer entlang geradelt bin, bewirkte das zusammen mit einer leichten Brise, dass man intensiv diese salzhaltige Luft inhaliert hat. Wie in einer Kur, schließlich ist ja Norddeich ein Luftkurort. Norderney wurde 1797 das erste deutsche Seebad an der Nordsee.


Die Küstenschutzmaßnahmen sind angelaufen. Der Strandbereich wird stärker befestigt und von 1,80 m auf 3 m aufgeschüttet. Der Klimawandel macht das jetzt dringend nötig.
Ostfriesland liegt unter dem Meeresspiegel beim Wasserstand Flut. Entwässert wird es bei Ebbe über Sieltore, historisch sind Sielhäfen wie Greetsiel, Neßmersiel, Dornumersiel, Bensersiel, Carolinensiel, … . Wenn bei Ebbe sich das Wasser zurückgezogen hat, drückt das Wasser aus den Tiefs die Tore auf, das zurückgehaltene Wasser spült dabei auch die Fischerhäfen frei, damit sie nicht durch Schlick verlanden. Wenn die Flut zurückkommt, drückt das Wasser die Sieltore wieder zu. Um die großen Wassermassen ins Meer leiten zu können,  sind auch große Sielwerke, wie das Sielwerk Knock, wo der Abfluß in die Ems mit Pumpen unterstützt werden kann, in Betrieb. Das Werk Knock nördlich von Emden zählt zu den größten Europas.
Wenn im Zuge des Klimawandels der Meeresspiegel steigt, ist das ganze Naturerbe Wattenmeer gefährdet. Das Land kann man durch weiteres Erhöhen der Deiche schützen, sie sind jetzt für eine Maximalhöhe bei Sturmflut bis 8,60 m ausgelegt. Strandbereiche wie in Norddeich werden von 1,80 m auf 3 m aufgeschüttet und neu befestigt. Die Herausforderungen sind hoch. Kritisch für das Watt ist allerdings, wenn das Watt auch bei Ebbe überflutet wäre. Das Leben im Watt braucht diesen Rhythmus von Flut und Ebbe, wo das Watt für Stunden trocken ist.


Kuttercorso. Diese Kutter fischen im Wattenmeer. Man kann mit ihnen auch mitfahren. Ab und an präsentieren sie ich bei Festen wie dem Kuttercorso.


Wikingerfest. Ein beeindruckender Sonnenuntergang. Die Sonne stand gleich zweimal am Horizont, einmal über dem Meer und als Spiegelung im Meer.
Mit diesem Fest wird der Überfall der Wikinger gefeiert, den die Friesen abwehrten. Sagen und Tatsachen mischen sich.

Wenn man von Norddeich Richtung Neßmersiel radelt, muss man in Sichtweite des Roten Pfahls, danach beginnt eine Ruhezone des Nationalparks, den man nicht betreten darf, an dem Übergang die Deichseite wechseln. Wenn man mit dem Fahrrad auf der Deichkrone steht, blickt man über das Land. Etwa 2 - 3 km südlich sieht man das Gebäude des ehemaligen Norddeich Radio, in dem seit 2004 das Waloseum ist. Dort um die Ecke an der Straße nach Norddeich ist auch das Auto- und Spielzeugmuseum.
Auf dem Weg nach Dornumersiel über Neßmersiel. Wenn man am Meer entlangradelt, hat man den Blick auf die ganze Länge der Norderney. Von der Stadt, dem Wasserturm, dem Leuchtturm und dem anschließenden Naturschutzgebiet, wo sich die Robben sonnen und das Wrack liegt. Auf der Insel kann man diese Hälfte nur zu Fuß erkunden. Anschließend kommt die Insel Baltrum, sie liegt 5 km vor der Küste bei Neßmersiel und kann von dort mit Wattwanderungen erreicht werden. Das ist jedes mal beeindruckend. Diesmal legte ich ein kleines Picknick mit Emder Matjes und Reibekuchen ein, bevor es weiter nach Dornumersiel ging.
Von dort bin ich dann nach Dornum geradelt. Auf der Schlosswiese fand ein Mittelalterfest statt. Der Sommer ist die Zeit für solche Feste. Dort hörte ich auch Harfenklänge. Am Rande sah ich den Harfenspieler, ich habe ihn schon in Norddeich vermisst. Von dort ist er offensichtlich vertrieben worden. 
Die historische Ostfriesische Küstenbahn hat für uns Karlsruher einen Gruß mit diesem Gepäckwagen für die Getränke und Verpflegung.
Mit der Küstenbahn bin ich dann nach Norden zurückgefahren. Jedesmal auch ein schönes Erlebnis. Da heute starker Wind von Westen vorherrschte, hat mir diese Küstenbahn das Ankämpfen gehen den Wind erspart. Beim Hinweg per Rad habe ich den Rückenwind genossen. Wie immer an der Nordsee sollte man die Windrichtung im Auge behalten, um seine Kräfte optimal einzusetzen. Dann kommt man, wie ich es getan habe, auch gut ohne Elektroantrieb vorwärts. Inzwischen sind die, die mit eigener Muskelkraft sich vorwärts bewegen, schon in der Minderheit.

Etwas zum Staunen, Exponate im Auto- und Spielzeugmuseum in Norden.
Wenn man von Norddeich Richtung Neßmersiel radelt, muss man in Sichtweite des Roten Pfahls, danach beginnt eine Ruhezone des Nationalparks, den man nicht betreten darf, an dem Übergang die Deichseite wechseln. Wenn man mit dem Fahrrad auf der Deichkrone steht, blickt man über das Land. Etwa 2 - 3 km südlich sieht man das Gebäude des ehemaligen Norddeich Radio, in dem seit 2004 das Waloseum ist. Dort um die Ecke an der Straße nach Norddeich ist auch das Auto- und Spielzeugmuseum.
http://www.automuseum-nordsee.de/automuseum.html

Von überall wurde zusammengetragen, was es an berühmten oder besonderen Autos gibt, Spielzeug, maritimes wie die Buddelschiffe, wo man trefflich rätseln kann, wie die Schiffe in die Flasche kommen. Auch geschichtliches aus der DDR oder von Doornkaat, das in Norden beheimatet ist.
Was mir aber am meisten haften geblieben ist, ist ein Mercedes mit Einschusslöchern. Im Begleittext ist beschrieben, dass dies ein Begleitfahrzeug bei der Entführung von Hans-Martin-Schleyer war. Beschrieben war der Deutsche Herbst 1977, die mit der Ermordung von Generalbundesanwalt Buback in Karlsruhe begann, und mit der Befreiung der Landshut in Mogadischu endete. 

Diesen Mercedes, der Teil dieses Kapitels deutscher Geschichte ist, hätte ich nicht in einem kleinen Museum in einem kleinen abgelegenen Ort in Ostfriesland erwartet, sondern eher in einem Museum der deutschen Geschichte in Berlin. Hier steht er zwischen Exponaten, die eine unbeschwerte Geschichte haben.

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